Erstmals wurde im Laborversuch nachgewiesen, dass eine Bestrahlung über 20 Minuten Dauer durch ein komerzielles Mobiltelefon zu einer kompletten Monomerisierung und Versulzung von in wässriger Lösung befindlichen Dimeren der Acetylcholinesterase führt. Die Acetylcholinesterase ist ein für die Übertrgung von Nervenimpulsen äußerst wichtiges Eiweißmolekül, welches den Botenstoff zahlreicher Nerven, das Acetylcholin, immer wieder deaktiviert und somit sicher stellt, dass immer wieder neue Impulse von einem Nerven zum nächsten übertragen werden können.
Ein irreversibler Funktionsverlust der Acetylcholinesterase ist ein wesentlicher Effekt zahlreicher Insektizide wie z.B. Parathion (E605) oder chemischer Kampfstoffe (z.B. das Nervengas Sarin). Andererseits werden auch Cholinesterasehemmstoffe zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit eingesetzt, wo sie möglicherweise den Verlauf etwas verlangsamen können. Allerdings führen diese medizinisch eingesetzten Hemmstoffe nicht zu einer irreversiblen Hemmung der Acetylcholinesterase, sondern nur zu einer reversiblen und gut steuerbaren Wirkungsreduktion. Die Entdeckung, dass Mobilfunkstrahlung irreversibel die Acetylcholinesterase hemmt, sollte unbedingt Anlass zu weiteren diesbezüglichen Untersuchungen sein, denn der Nachweis derartiger Veränderungen am lebenden Organismus dürfte eine immense Bedeutung haben.
Übersetzung der Kurzfassung der Studie:
Die vorliegende Studie belegt, dass "in vitro" die einfache Exposition einer wässrigen Lösung von elektrischer eel-Acethylcholinesterase (EeAChE; EC 3.1.1.7) gegenüber Mobilfunkstrahlung deren enzymatische Aktivität verändert. Diese Arbeit zeigt durch Kombination unterschiedlicher experimenteller Techniken, dass Radiofrequenzstrahlung (RF) irreversibel die Struktur und die biochemischen Charakteristika einer wichtigen Enzyms des Zentralnervensystems stören. Die Ergebnisse wurden mittels eines kommerziell erhältlichen Mobiltelefons ermittelt, um die Realität der menschlichen Exposition zu reproduzieren. Das experimentelle Vorgehen brachte überraschende Effekte zu Tage, die praktisch ohne Versuchsfehler erfasst werden konnten, da immer die gleiche Enzymlösung untersucht wurde, zunächst ohne und dann mit Bestrahlung. Obwohl diese Wirkungen nicht zur Klärung der Frage herangezogen werden können, ob eine RF-Strahlungsexposition während der Mobiltelefonnutzung zu schädlichen Gesundsheitsstörungen führt, mögen sie doch ein bedeutsamer erster Schritt bei der zukünftigen Bestätigung dieser Effekte auf andere biologische "ex vivo"- oder "in vivo"-Systeme sein.